Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Denkzentrale Gehirn

Eine junge Frau strengt ihr Gehirn beim Nachdenken an

Zentrum für Denken, Fühlen, Handeln

Das Gehirn ist die Schaltzentrale und das Denkorgan unseres Körpers. Es besteht aus Milliarden von Nervenzellen und ist ein komplexes, hochempfindliches System. Unser Gehirn sorgt für die Koordination und das reibungslose Funktionieren aller Organe und Gewebe. Auch Sinneseindrücke, Emotionen und Gefühle werden hier verarbeitet. Noch bis ins hohe Alter können Nervenverbindungen neu verknüpft werden, was auch als Neuroplastizität bezeichnet wird. Aufgrund seiner Komplexität ist das Gehirn jedoch immer noch nicht vollständig erforscht.

In unserem Beitrag beschäftigen wir uns mit dem Aufbau und der Funktion des Gehirns und gehen näher auf verschiedene Krankheiten des Gehirns ein. Außerdem erfahren Sie, wie Sie Ihre Hirnleistung fördern können.

Wussten Sie schon, dass...:

  • das Gehirn selbst keine Schmerzen empfindet?
  • die AOK Sachsen-Anhalt viele Gesundheitskurse rund um Bewegung und Stressmanagement bezuschusst?
  • das menschliche Gehirn viele Milliarden Gehirnzellen hat?

Aufbau und Funktionen des Gehirns

Das Gehirn, medizinisch „Encephalon“, ist etwa 1,5 bis 2 Kilogramm schwer und liegt innerhalb des Schädels. Es besteht aus unzähligen Nervenzellen sowie vielen Furchen und Spalten. Unser Gehirn steuert dabei alles im Körper – von Bewegungen über Emotionen bis hin zu Gedanken. Und das macht sich bemerkbar: Rund 20 Prozent der täglichen Energiezufuhr beansprucht das Gehirn für sich.

Ein Vater und sein Sohn aktivieren ihr Gehirn beim gemeinsamen Puzzlen

So arbeitet das Gehirn:

Unser Gehirn benötigt ständig Sauerstoff und neben weiteren Nährstoffen vor allem Glukose, da sie die bevorzugte Energiequelle ist. Jede Gehirnhälfte wird durch drei Arterien und ihre Blutgefäße versorgt. So durchströmen pro Minute circa 800 Milliliter Blut das Gehirn. Die Gehirnaktivität entsteht aus elektrischen Impulsen von Nervenzellen. Die Signale werden über die Nervenbahnen blitzschnell weitergeleitet. Dabei leisten die verschiedenen Gehirnareale regelrechtes Teamwork für Körper und Geist.

Die großen Bereiche des Gehirns und ihre Aufgaben

Der Aufbau des Gehirns ist sehr komplex und jeder Bestandteil übernimmt vielfältige Aufgaben. Deswegen geben wir hier einen vereinfacht dargestellten Überblick: 

  • Großhirn (Cortex)

    Das Großhirn ist zuständig für das Lernen, Denken, Erinnern und Planen. Außerdem steuert es bewusste Bewegungen und Sinneseindrücke.

  • Kleinhirn (Cerebellum)

    Das Kleinhirn ist zuständig für die Koordination, das Gleichgewicht und die Feinmotorik.

  • Hirnstamm

    Der Hirnstamm steuert überlebenswichtige Funktionen wie die Atmung, den Herzschlag und den Kreislauf sowie Reflexe und den Schlaf.

  • Hirnhäute

    Unser Gehirn ist durch schützende Häute und Flüssigkeit (Liquor) umgeben, die auch als Hirnhäute oder Meningen bezeichnet werden.

Schutzmechanismen – wie unser Gehirn geschützt wird

Neben den Hirnhäuten wird das Gehirn auch durch den knöchernen Schädel geschützt. Zusätzlich gewährt die Blut-Hirn-Schranke Schutz, indem sie nur bestimmte Moleküle durchlässt und eine Barrierefunktion zwischen dem Blut und dem zentralen Nervensystem übernimmt. Außerdem gibt es eine Filterfunktion zwischen Blut und Gehirn für Glukose, Blutsalze, Elektrolyte, Hormone und Schadstoffe. Auch Krankheitserreger und bestimmte Medikamente werden dadurch herausgefiltert.

Krankheiten des Gehirns: Von Gehirnerschütterung bis Demenz

Verschiedene innere und äußere Einflüsse wie Verletzungen, Stöße, genetisch veranlagte Krankheiten oder Entzündungen im Körper können das Gehirn trotz der Schutzmechanismen schädigen.

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)

    Viren oder Bakterien können eine Entzündung der Hirn- oder Rückenmarkshäute auslösen. Typische Symptome sind Nackensteifigkeit, hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Verwirrung. Mögliche Erreger sind unter anderem Meningokokken, Haemophilus influenzae, Pneumokokken und FSME-Viren.

    Besonders vorteilhaft für Mitglieder der AOK Sachsen-Anhalt: Die Impfung gegen Meningokokken der Gruppen A, W, C und Y übernehmen wir im Rahmen einer Reiseimpfung. Weitere Informationen finden Sie hier.

  • Gehirnerschütterung

    Die Gehirnerschütterung ist die leichteste Form einer Schädel-Hirn-Verletzung. Anzeichen sind eine meist kurze Bewusstlosigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Auch kurze Erinnerungslücken bis zu einer Stunde sind möglich.

  • Schädel-Hirn-Trauma

    Bei einem Schädel-Hirn-Trauma treten teilweise ähnliche Symptome wie bei einer Gehirnerschütterung auf. Typischerweise ist man schläfrig und nur bedingt ansprechbar. Außerdem kann es zu Krampfanfällen, Erbrechen und Problemen beim Öffnen der Augen kommen.

  • Schädelprellung

    Die Schädelprellung ist eine schwerere Verletzung mit Schädigung der Gehirnsubstanz, bei der bleibende Schäden möglich sind. Die Bewusstseinsstörung kann länger als eine Stunde anhalten. Auch Lähmungen oder epileptische Anfälle sind möglich.

  • Epidurales Hämatom

    Als epidurales Hämatom wird eine Blutung zwischen der harten Hirnhaut und dem Schädelknochen durch einen Gefäßriss beschrieben. Die Ursache für den Bluterguss ist meist eine Bewusstseinstrübung oder Halbseitenlähmung.

  • Subdurale Hämatome

    Ein Bluterguss im Subduralraum zwischen der weichen und der mittleren Hirnhaut entsteht meist durch eine stärkere Hirnprellung.

  • Hirnblutung (Subarachnoidalblutung)

    Eine Hirnblutung stellt immer einen Notfall dar, da Lebensgefahr besteht. Oft ist der Auslöser ein Aneurysma. Zu den Symptomen zählen plötzlich auftretende, sehr starke sogenannte Vernichtungskopfschmerzen sowie Übelkeit, Erbrechen und ein steifer Nacken.

  • epileptischer Krampfanfall

    Bei einem epileptischen Krampfanfall vor dem 25. Lebensjahr kann die Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegen. Im späteren Lebensalter können Anfälle unter anderem durch Tumore, Hirn- und Gefäßkrankheiten, Hirninfarkte, Traumata oder Infektionen wie eine Herpes-Enzephalitis bedingt sein.

  • Multiple Sklerose (MS)

    Multiple Sklerose ist eine nicht heilbare, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann sich durch vielfältige Symptome wie Muskelschwäche, Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Missempfindungen äußern. Verschiedene Behandlungsoptionen können den Verlauf der Erkrankung beeinflussen und Symptome sowie Krankheitsschübe lindern. Neue Ansätze wie die CAR-T-Zell-Therapie befinden sich derzeit noch in der Forschung.

  • Tumore

    Es gibt gutartige und bösartige Hirntumore, die in jedem Lebensalter auftreten können. Zu den häufigsten bösartigen Tumoren zählt das Glioblastom. Die Symptome hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Dazu gehören starke Kopfschmerzen, Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen, epileptische Anfälle sowie Erbrechen und Schwindel. Je nach Lokalisation und Ausmaß des Tumors kann auch ein gutartiger Tumor mit einer verminderten Lebenserwartung verbunden sein.

  • Schlaganfall

    Ein Schlaganfall tritt durch eine Blockade oder das Platzen eines Blutgefäßes im Gehirn auf, was zu einer Unterbrechung der Sauerstoffversorgung führt. Typische Symptome sind Lähmungen im Gesicht sowie Schwierigkeiten bei Armbewegungen und beim Sprechen. Bei diesen Anzeichen sofort den Notruf wählen!

    In Sachsen-Anhalt gibt es spezialisierte Schlaganfallzentren, wie im Kreiskrankenhaus Bitterfeld, das eine zertifizierte Behandlung bietet. Frühzeitige Rehabilitationsmaßnahmen, etwa im Rehabilitationszentrum Walbeck, fördern die Genesung.

  • Demenz

    Demenz ist eine nicht heilbare Durchblutungsstörung im Gehirn, die durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden kann. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung. Typische Anzeichen sind Gedächtnisprobleme, verändertes Sozialverhalten und Schwierigkeiten beim Sprechen.

    In Sachsen-Anhalt sind zahlreiche Einrichtungen auf die Betreuung von Demenzkranken spezialisiert. Das Zentrum für Geriatrie in Halle und die Alzheimer Gesellschaft Sachsen-Anhalt bieten sowohl medizinische Versorgung als auch psychologische Unterstützung für Patienten und deren Familien an. Diese Zentren sind wichtige Ansprechpartner für Menschen, die mit Demenz leben, und deren Angehörige.

Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis

Das Gedächtnis ist eine wichtige Funktion des Gehirns und verfügt über eine Speicherkapazität von mehreren Milliarden Gigabyte. Wenn Dinge mit mehreren Sinnen wahrgenommen werden, können wir sie uns besser einprägen. Die Informationen werden dabei oft mit Bildern oder Geschichten verknüpft.

Das Langzeitgedächtnis einer Seniorin wird beim Gitarre-lernen gefordert

Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis hat nur eine begrenzte Speicherkapazität und behält Informationen nur für wenige Sekunden. Um eine Information vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis zu übertragen, sind etwa sechs Wiederholungen notwendig.

Langzeitgedächtnis

Das Langzeitgedächtnis kann unbegrenzt und dauerhaft Informationen aufnehmen. Es speichert alle erlebten Ereignisse und gelernten Informationen. Ohne das Langzeitgedächtnis hätten wir keine Identität, da wir uns nicht an unseren Namen, Wohnort oder Geburtsort erinnern könnten. Ist eine Information einmal im Langzeitgedächtnis gespeichert, wird sie in der Regel nicht vergessen, auch wenn sie manchmal schwer abrufbar ist.

Was ist Brain Fog?

Als Brain Fog oder Hirnnebel wird ein Zustand der Vergesslichkeit bezeichnet, der für einige Minuten und manchmal auch für Wochen oder sogar Monate anhalten kann. Typische Anzeichen sind unter anderem:

  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Mentale Erschöpfung und Antriebslosigkeit
  • Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit und Verwirrung
  • Müdigkeit, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen

Vor allem der Lebensstil, wie zu wenig Schlaf, Stress oder eine unausgewogene Ernährung, kann sich negativ auf den Zustand auswirken. Auch Flüssigkeits- und Nährstoffmangel, wie zum Beispiel bei Magnesiummangel oder Unverträglichkeiten, sind Einflussfaktoren. Brain Fog tritt jedoch auch häufig in den Wechseljahren oder während der Schwangerschaft und Stillzeit auf. Des Weiteren kann er durch verschiedene Erkrankungen und Infektionskrankheiten wie Covid-19, Autoimmunerkrankungen oder neurodegenerative Krankheiten hervorgerufen werden. In einigen Fällen kann Brain Fog auch auf einen Schlaganfall hinweisen.

Das Gehirn auf Trab bringen mit Gehirnjogging?

Mit zunehmendem Alter schrumpft die Hirnsubstanz, und die Denkleistung nimmt ab. Die Weitergabe von Signalen zwischen Nervenzellen wird langsamer, und die Gehirnblutversorgung nimmt ab. Durch gezielte Denkarbeit soll das Gehirn weiterhin gefordert und gewohnte Denkmuster durchbrochen werden. Doch auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

Ein Paar sein Gehirn durch einen sportlichen Lebensstil

Lebensstil

Ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind die Grundlage für einen gesunden Lebensstil. Nutzen Sie die Wanderrouten in Sachsen-Anhalt oder die Trimm-dich-Pfade für neue Herausforderungen. Auch die AOK Sachsen-Anhalt bietet mit Kursen wie der AOK-Laufschule und AOK-Yogaschule Unterstützung.

Online-Tests und analoge Medien

Online gibt es viele Gehirn-Trainingsprogramme, die Merkfähigkeit, Konzentration und logisches Denken fördern. Diese Aufgaben beinhalten meist Rechenoperationen oder das Merken von Informationen. Wer lieber analog arbeitet, findet auch in Büchern, Logikrätseln oder Suchspielen vielfältige Angebote.

Neues lernen

Aktivitäten wie Musizieren, Tanzen oder das Erlernen einer neuen Fremdsprache fordern das Gehirn auf besondere Weise heraus. Sie fördern die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und neue Verbindungen zu bilden. Auf diese Weise lassen sich Gedächtnisleistung und kognitive Fähigkeiten langfristig verbessern. Diese Aktivitäten sind daher besonders geeignet, um das Gehirn fit zu halten. Kreuzworträtsel und Sudokus trainieren dagegen vor allem bereits erlerntes Wissen.

Sozialer Austausch mit der Tochter tut dem Gehirn einer Seniorin gut

Soziales Leben

Auch intensive soziale Kontakte wirken sich positiv auf das Gehirn aus. Bleiben Sie aktiv durch Weiterbildungen, sei es beruflich oder in der Freizeit. Radiohören, Puzzeln und Museumsbesuche sind ebenfalls förderlich.

Nahrungsergänzungsmittel

Sogenannte Nootropika, die in natürlicher oder synthetischer Form erhältlich sind, gelten als eine Art „Gehirndoping“. Diese Substanzen sollen die kognitiven Funktionen, das Gedächtnis, die Konzentration und das emotionale Wohlbefinden positiv beeinflussen. Allerdings sind die Langzeitwirkungen noch nicht ausreichend erforscht.

Unser Gehirn – Ein Wunderwerk, das es zu pflegen gilt

Das Gehirn ist unser wertvollstes Organ und steuert alle Aspekte unseres Lebens, von den einfachsten Bewegungen bis hin zu komplexen Gedanken und Gefühlen. Es arbeitet unermüdlich und verlangt nach einer sorgfältigen Pflege, um seine faszinierenden Fähigkeiten zu erhalten. Auch im Alter kann es noch erstaunliche Leistungen vollbringen, wenn wir es regelmäßig fordern und mit den richtigen Gewohnheiten unterstützen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung, geistiger Aktivität und sozialen Kontakten trägt entscheidend dazu bei, die kognitiven Fähigkeiten zu stärken und das Gehirn fit zu halten. Machen Sie Ihr Gehirn zu einer Priorität – für ein Leben voller klarer Gedanken und emotionaler Ausgeglichenheit.

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