Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Glutenintoleranz

Eine Frau lehnt ein Brot aufgrund von Glutenintoleranz ab

Glutenunverträglichkeit – wie sie entsteht und behandelt wird

Immer mehr Menschen verzichten auf Gluten. Für einige ist es ein Trend, für andere eine medizinische Notwendigkeit. Eine Glutenintoleranz, auch Glutenunverträglichkeit genannt, umfasst verschiedene Krankheitsbilder, die durch den Verzehr von Gluten – einem Protein, das in Getreiden wie Weizen, Roggen und Gerste vorkommt – ausgelöst werden. Die Beschwerden reichen von milden Symptomen bis hin zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Betroffene leiden nach dem Konsum glutenhaltiger Lebensmittel oft unter Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder starker Müdigkeit. Die Ursachen sind vielfältig, und nicht immer ist eine klare Diagnose auf den ersten Blick möglich.

In diesem Beitrag beleuchten wir die verschiedenen Formen der Glutenunverträglichkeit. Sie erfahren, wie diese diagnostiziert und behandelt werden können, und erhalten praktische Tipps für den glutenfreien Alltag, um Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Wussten Sie schon, dass...

  • Dinkel den höchsten Glutengehalt hat?
  • mehr als 840.000 Menschen in Deutschland von einer Zöliakie betroffen sind?
  • die AOK Sachsen-Anhalt eine individuelle Ernährungsberatung bezuschusst?

 

Wenn der Körper sensibel auf Getreideprodukte reagiert

Glutenunverträglichkeit kann verschiedene Krankheitsbilder umfassen. Eine der bekanntesten Formen ist die Zöliakie, eine autoimmune Erkrankung, bei der das Immunsystem auf Gluten reagiert und die Darmschleimhaut angreift. Dies führt zu Entzündungen im Dünndarm, die langfristig zu Nährstoffmangel und schwerwiegenden Komplikationen wie Osteoporose oder Wachstumsstörungen führen können.

Eine Frau leidet aufgrund von Glutenunverträglichkeit unter Bauchschmerzen

Eine andere Form ist die Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NZGS), bei der Betroffene ebenfalls Symptome wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Müdigkeit entwickeln. Anders als bei der Zöliakie zeigen sich jedoch keine immunologischen Reaktionen oder Schädigungen der Darmschleimhaut. 

Die Weizenallergie ist hingegen eine klassische Allergie, bei der das Immunsystem spezifische Antikörper gegen Weizenproteine bildet. Das führt zu Reaktionen wie Hautausschlägen, Atemproblemen oder Magen-Darm-Beschwerden und kann in schweren Fällen einen anaphylaktischen Schock auslösen. Diese Form der Unverträglichkeit betrifft nicht nur Gluten, sondern alle Bestandteile des Weizens.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose einer Glutenunverträglichkeit erfordert eine sorgfältige Untersuchung und eine klare Abgrenzung zwischen Zöliakie, Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NZGS) und Weizenallergie. Ein strukturierter Ansatz, bestehend aus Bluttests, Biopsien, genetischen Analysen und Ausschlussdiagnosen, hilft, die genaue Ursache der Beschwerden zu ermitteln. Dabei sollte die Diagnosestellung stets durch einen Arzt oder Spezialisten, wie etwa einen Gastroenterologen, begleitet werden.

Zöliakie

Zöliakie wird mithilfe eines Bluttests auf spezifische Antikörper, wie die Transglutaminase-Antikörper, und durch eine Dünndarmbiopsie diagnostiziert. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um Folgeerkrankungen wie Osteoporose, Anämie oder neurologische Störungen zu vermeiden. Ohne eine Behandlung kann es langfristig zu schweren Schädigungen der Darmschleimhaut kommen.

Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität

Die Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass zunächst Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen werden müssen. Ein Symptomtagebuch sowie die gezielte Beobachtung der Beschwerden unter einer glutenfreien Ernährung unterstützen die Diagnosestellung.

Weizenallergie

Die Weizenallergie wird durch Hauttests oder den Nachweis von IgE-Antikörpern diagnostiziert. Obwohl bei dieser Form der Unverträglichkeit keine langfristigen Schäden entstehen, können unbehandelte Betroffene lebensbedrohliche Reaktionen erleiden. Daher ist eine konsequente Vermeidung von Weizen essenziell.

Ein Verkäufer hilft einer Frau bei der Auswahl glutenfreier Produkte

Ernährung ohne Gluten

Eine glutenfreie Ernährung erfordert es, glutenhaltige Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel oder Kamut zu meiden. Gleichzeitig gibt es viele Alternativen wie Reis, Mais, Hirse, Quinoa, Amaranth oder Buchweizen. 

Besonders wichtig ist es, auf verstecktes Gluten in verarbeiteten Lebensmitteln wie Soßen, Würzmischungen oder Fertiggerichten zu achten. Hier hilft ein Blick auf die Zutatenliste und die Suche nach dem glutenfreien Siegel (durchgestrichene Ähre), das zertifizierte Produkte kennzeichnet.

Doch wie sieht eine glutenfreie Ernährung genau aus? Welche Lebensmittel enthalten von Natur aus kein Gluten? Und welche sollten Betroffene auf jeden Fall meiden? Wir beantworten die meistgestellten Fragen für Sie.

  • In welchen Milchprodukten ist Gluten?

    Die meisten Milchprodukte sind von Natur aus glutenfrei, da Milch, Joghurt, Käse und Butter keine glutenhaltigen Zutaten enthalten. Dazu gehören frische Milch, Naturjoghurt ohne Zusätze, Quark, Frischkäse, Butter und Sahne. Auch Hart- und Weichkäse wie Gouda, Emmentaler oder Brie können bedenkenlos verzehrt werden. Vorsicht ist jedoch bei verarbeiteten Produkten wie aromatisierten Joghurts, Frischkäsezubereitungen, Käsesaucen oder fertigen Milchmischgetränken geboten, da diese glutenhaltige Zutaten enthalten können.

  • Welche Mehlsorten sind glutenfrei?

    Buchweizenmehl, Reismehl, Maismehl, Mandelmehl, Leinsamenmehl, Hirsemehl und Kokosmehl enthalten von Natur aus kein Gluten und sind sichere Alternativen für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit. Auch Kartoffelstärke und Tapiokastärke können bedenkenlos verzehrt werden.

  • Welche Brote sind glutenfrei?

    Glutenfreie Brote sind speziell für Menschen mit Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie entwickelt worden. Sie werden aus glutenfreien Getreidesorten oder Mehlen hergestellt und sind daher frei von Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel oder anderen glutenhaltigen Getreiden. Besonders beliebt sind Maisbrot, Reisbrot, Hirsebrot, Buchweizenbrot oder Quinoabrot.

  • In welchen Lebensmitteln ist sonst kein Gluten?

    Frische, unverarbeitete Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier und Hülsenfrüchte sind von Natur aus glutenfrei und sollten die Basis Ihrer Ernährung bilden. Auch Kartoffeln, beispielsweise in Form von Pommes, können bedenkenlos verzehrt werden.

Glutenfrei und unbeschwert: So meistern Sie den Alltag

Der Alltag mit einer Gluten- oder Weizenunverträglichkeit erfordert Anpassungen, ist aber gut zu bewältigen. Beim Einkaufen sollten Sie auf spezielle glutenfreie Produkte zurückgreifen und beim Kochen getrennte Arbeitsflächen verwenden, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden. Beim Essen im Restaurant ist es wichtig, das Personal über die Unverträglichkeit zu informieren und nach glutenfreien Alternativen zu fragen. Auf Reisen hilft eine gute Vorbereitung: Recherchieren Sie vorab glutenfreie Angebote und nehmen Sie Snacks für unterwegs mit. Eine offene Kommunikation mit Familie, Freunden und Kollegen erleichtert den Umgang mit der Unverträglichkeit im sozialen Umfeld. Weitere Tipps für einen glutenfreien Alltag finden Sie hier.

 

Eine Mutter und ihr Sohn probieren glutenfreie Rezepte aus

Umgang mit Beschwerden durch Glutenunverträglichkeit

Mit ein wenig Wissen, Kreativität und Experimentierfreude können Sie herkömmliche Rezepte problemlos abwandeln und glutenhaltige Zutaten durch geeignete Alternativen ersetzen. Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Müdigkeit oder Hautreaktionen sollten stets ernst genommen werden, da sie auf eine Unverträglichkeit hinweisen können.

Eine genaue Diagnosestellung durch einen Arzt ist essenziell, um die passende Behandlung einzuleiten. Gleichzeitig erfordert die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung Geduld und sorgfältige Planung. Lassen Sie sich Zeit, um sich mit neuen Lebensmitteln und Zubereitungsmöglichkeiten vertraut zu machen – so gelingt die Anpassung Schritt für Schritt.

Glutenunverträglichkeiten richtig behandeln

Die Behandlung von Glutenunverträglichkeiten beginnt mit einer professionellen Beratung durch einen Arzt oder Ernährungsberater. Bei Zöliakie ist eine konsequent glutenfreie Ernährung unerlässlich, da bereits kleinste Mengen Gluten zu gesundheitlichen Schäden führen können. Bei einer Glutensensitivität hingegen lässt sich die individuelle Verträglichkeit testen, sodass nicht immer ein vollständiger Verzicht erforderlich ist. Mit einer genauen Diagnose, einer gut durchdachten Ernährungsumstellung und einem bewussten Umgang mit der Unverträglichkeit können Betroffene langfristig ein beschwerdefreies Leben führen.

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